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Turuçu, Schwerpunkt unserer Hilfsprojekte in Brasilien bis 2010
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Ausgangssituation: Turuçu ist eine kleine Stadt mit 3750 Einwohnern, ein Teil davon lebt im ländlichen, der andere Teil im städtischen Einzugsgebiet. Auf dem Land ist die Armut weniger gravierend, die meisten Bewohner können von der Landwirtschaft (Erdbeeren, Pfeffer, Tabak) leben. Die schlimmste Situation finden wir im städtischen Bereich von Turuçu vor. Menschen aus anderen Gegenden werden von einer hiesigen Lederfabrik angezogen (die übrigens nach ihrem Gründer „Arthur Lange“ heißt), dafür haben sie oft ihr Stück Land aufgegeben. Sie kommen in Turuçu an und bauen sich aus Fundstücken (Holz, Blech, Stoff etc.) Hütten am Straßenrand. Diese Menschen haben eine sehr geringe Schulbildung, weshalb sie dann auch meist keine Arbeit finden. Die miserablen Bedingungen, unter denen sie leben, kann man fast als unmenschlich bezeichnen. Sie sind praktisch alle von der öffentlichen Fürsorge abhängig, die allerdings in Brasilien nicht viele Gelder zu verteilen hat. Da sie es nicht besser wissen, haben diese Familien meist mehr Kinder, als sie versorgen können. Daraus entsteht das Problem, dass es u.a. bedingt durch frühe Unterernährung hier viele körperlich und geistig behinderte Kinder gibt. Das Team des Gesundheitsressorts verwendet viel Energie und Zeit darauf, mit diesen Familien zu arbeiten, ihnen das Basiswissen über Verhütung, Krankheitsprävention und auch Ernährung beizubringen. Doch wir sind oft so machtlos, was die Kinder angeht, weil eben alle Bedingungen miserabel sind. Wir müssen mit ansehen, wie die Unterernährung der Kleinsten immer wieder schlimmste Folgen hat und haben keine wirklich gute Möglichkeit, hier einzugreifen. Das Patenschaftsprojekt ist ein wichtiger Schritt, um diesen Kindern einen etwas besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Es bleibt jedoch das Problem, wie bei diesen Kindern auf einer täglichen, praktischen Basis dafür gesorgt werden kann, dass ein Minimum an Hygiene herrscht und vor allem, dass sie regelmäßig und einigermaßen ausgewogen ernährt werden. Daher haben wir schon lange das dringende Bedürfnis, diesen Kindern einen Ort anbieten zu können, wo sie täglich einige Stunden versorgt werden könnten. Bisher ist es so, dass wir die Kinder mit den tragischsten Schicksalen täglich abholen und in unserem Büroraum waschen und ihnen Milch geben . Dies ist aber natürlich nur mit sehr wenigen Kindern möglich, außerdem ist es nicht ungefährlich, denn bei uns im Gesundheitsamt stellen sich regelmäßig kranke Menschen vor. Das Immunsystem der Kinder ist durch den schlechten Ernährungszustand meist extrem anfällig und die Ansteckungsgefahr ist groß. Zudem hindert uns diese „außerplanmäßige Kinderbetreuung“ auch an unseren anderen Aufgaben – und dabei ist die Betreuung, die wir leisten können überhaupt nicht ausreichend und deshalb ist der gesamte Zustand frustrierend. Es ist absolut schockierend , diesen Kindern beim Trinken und Essen zuzuschauen: sie wollen überhaupt nicht mehr aufhören, aus Angst, dann nichts mehr zu bekommen. Natürlich hören die Probleme nicht auf, wenn die Kinder älter werden, aber unsere Hauptsorge gilt den kleinsten Kindern, bei denen die Entwicklung noch sehr stark beeinflussbar ist – im Guten wie im Schlechten. Wir möchten deshalb gerne mit der Unterstützung des Walldorfer Vereins in 2003 eine |
Betreuungsstätte für Kinder bis 6 Jahren aufbauen. Diese Stätte wäre sehr wichtig, um einen Ort zu haben, an dem die ärmsten Kinder regelmäßig versorgt und auch gefördert werden, um ihnen einen besseren Start in ihr Leben zu ermöglichen, als bei vielen ihrer älteren Geschwister. Mit einer solchen Kindertagesstätte hätten wir ebenfalls eine viel bessere Kontrolle über das Patenschafts-Projekt, da es gerade den betroffenen (Paten-) Kindern die nötigen Rahmenbedingungen geben würde. Aktuelle Situation: Durch die Unterstützung des Walldorfer Vereins konnte die Kinderkrippe im Januar 2004 eingeweiht werden. Es fehlt noch an vielem, aber das Gebäude und die Grundausstattung sind nun vorhanden, so dass bedürftige Kinder jetzt hier betreut werden können. Ziel: Das Projekt soll Kindern bis 6 Jahren die Möglichkeit geben, sich tagsüber in einem geschützten und betreuten Rahmen aufzuhalten. Aufgenommen werden alle Kinder, die sich in einem schlechten sozialen und/ oder körperlichen Zustand befinden. Idealerweise sollen die Kinder dem Patenschaftsprojekt angehören oder demnächst aufgenommen werden. Gestaltung: Das Projekt „Kindertagesstätte“ ist ein Ergänzungs-Projekt zum Patenschaftsprojekt. Die Gemeinde Turuçu stellt das Grundstück und bezahlt die Betreuerinnen, der Verein „Hilfe zur Selbsthilfe“ stellt die Mittel zum Bau des Gebäudes und für die Einrichtung. In der Tagesstätte werden die Kinder betreut, gewaschen etc.. Neben der Hygiene und der Betreuung können die Kinder in der Tagesstätte besser gefördert werden, außerdem werden körperliche, geistige, psychische Probleme hier schneller deutlich, es kann frühzeitig und angemessen reagiert werden. Da die ärmsten Kinder alle zum Patenschaftsprojekt gehören, wird das Essen aus dem Patenschaftsfonds bezahlt. Medizinische Grundbetreuung wird vom Staat übernommen. Möglicherweise können später staatliche Fördergelder beantragt werden, dafür muss das Projekt jedoch erst einmal existieren. Sollte ein (Paten-) Kind zu weit weg von der Tagesstätte wohnen und/oder die Eltern es nicht zur Tagesstätte bringen, wird dieses Kind in der ursprünglich für das Patenschaftsprojekt vorgesehene Form betreut werden. Finanzierung: Das Gebäude und die Betreuung der Kinder wird von der Stadt bezahlt, die Ernährung, Versorgung etc. größtenteils aus dem Patenschaftsfonds. Den Bau des Gebäudes und dessen Einrichtung finanziert der Walldorfer Verein „Hilfe zur Selbsthilfe“, hierfür werden vorläufig insgesamt 10.000,00 € nötig sein, geplanter Zeitraum ist 2 Jahre.
Verantwortliche Leiterin unserer Projekte vor Ort:
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(Karte) |
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Idyllische Landschaft bei Turuçu |
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