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Krankenversorgung im afrikanischen Busch

Ein Bericht von Sigrid und Siegfried Tuengerthal über den Besuch der ambulanten Krankenstation „Apersec“ in Burkina Faso.

Das Team um Cathérine Eklou, bestehend aus drei Hebammen und einem Krankenpfleger, besucht Dörfer, die in einer Entfernung zwischen 50 und 70 Km von der Hauptstadt Ougadougou liegen. Schon allein die Fahrt ist ein einziges Abenteuer, denn höchstens ein Viertel der Fahrtstrecke geht über asphaltierte Straßen. Der Rest ist Piste mit riesigen Schlaglöchern. Man ist schon ziemlich verstaubt und gut durchgeschüttelt, bis man nach über 2 Stunden Fahrt im Dorf ankommt.

So ein Besuch in einem Dorf läuft nach ganz bestimmten Regeln ab:

 

 

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Das Dorf wird immer einige Tage vorher informiert, wann Apersec kommt. 

Nach der Ankunft auf dem Dorfplatz erfolgt die Begrüßung durch den Dorfchef, der immer mit gebeugten Knien und gesenktem Blick begrüßt werden muss. Danach wird dem Gast als Zeichen des Willkommens eine Schale mit Wasser gereicht: ich teile das Kostbarste mit Dir, was ich habe, das Wasser. Dann gibt es noch ein kleines Palaver mit dem Chef und erst danach kann mit der Krankenversorgung begonnen werden.

In zwei langen Schlangen, Frauen und Männer meistens getrennt, stehen die Menschen an, um sich versorgen zu lassen: Die Hebammen untersuchen die Säuglinge, die teilweise extrem unterernährt sind, und beraten die Mütter. Die Unterernährung der Kleinkinder ist darauf zurückzuführen, dass viele afrikanische Frauen ihre Kinder bis zu 2 Jahre stillen und nicht dazu füttern. Dies geschieht nur aus Unwissenheit, denn einen großen Teil des Jahres gibt es ausreichend zu essen. Und es wächst auch alles Gemüse oder Getreide, was man zerstampft einem Kleinkind füttern kann.

Ganz wichtig ist in den Dörfern die Wundversorgung, denn mangelnde Hygiene lässt auch kleinste Wunden eitern und mit der Zeit groß werden. Manche Patienten kamen mit 4 – 5 Hühnerei großen Wunden an den Beinen, um sich versorgen zu lassen. Auch kleine chirurgische Eingriffe bei starken Vereiterungen kann das Team vornehmen. „Geht Euch waschen und zieht eine frische Hose/Rock an“, so werden die Menschen immer wieder erst einmal weggeschickt. Hygiene und Aufklärung sind die wichtigsten Themen, die das Team immer wieder mit rührender Geduld wiederholt. „Wir wussten nicht, dass man sich waschen muss, um weniger krank zu werden“, sagte ein Vater, der seinen kranken und völlig verdreckten Sohn zur Versorgung brachte.

Diese Aufklärungsarbeit ist der Hauptschwerpunkt des Teams von Apersec. Mindestens 20 mal müssen sie in ein Dorf fahren, bis die Bevölkerung sensibilisiert ist. Dann werden 4 Personen aus dem Dorf (meistens 3 Frauen und 1 Mann) für eine Woche in die Hauptstadt eingeladen und erhalten eine Ausbildung in erster Hilfe. Als Abschluss erhalten die 4 Multiplikatoren einen „Apothekenkasten“ mit folgendem Inhalt:

1 Blutdruckgerät mit Stethoskop, Verbandsschere, 2 Rollen Pflaster, 1 Pkg. Holzspachtel, 1 Pkg. Watteträger, 1 Fl. Betaisodona Lösung, sterile und unsterile Kompressen, 1 Pkg. Einmalhandschuhe, Mullbinden und elast. Binden in versch. Größen, 1l Desinfektionsmittel,

1000 Tbl. Paracetamol, 1000 Tbl. Chloroquin. So eine Kiste kostet komplett ca. € 70,- und muss nur ungefähr alle drei Monate nachgefüllt werden. So können sich die Dörfer während der Regenzeit, wenn sie mit dem Auto nicht zu erreichen sind, sehr gut selbst versorgen.

Kommt man in Dörfer, die das Team von Apersec aufgeklärt hat, staunt man über die Sauberkeit. Es ist nicht nur der Dorfplatz sauber gekehrt, auch die Latrine und der Abfallplatz sehen tadellos aus. Und die Menschen sehen sauber und gesund aus. Sie  haben glänzende Haut, weil man ihnen beigebracht hat, sich die Haut mit Caritébutter zu pflegen. (Die Bäume wachsen dort). Natürlich gibt es auch in diesen Dörfern immer wieder mal Kranke, aber dann legt die Dorfgemeinschaft auch durchaus das Geld zusammen, um den Krankenhausaufenthalt zu bezahlen.

Die Menschen wissen die Arbeit von Apersec sehr zu schätzen, das zeigte sich immer wieder in den Festen und den Geschenken, die zu Ehren der „Patrons de L’Allemagne“ gemacht wurden. 19 Hühner, 1 Ziege und ein Schaf, ein großer Sack Erdnüsse, eine komplette Mossijäger Ausrüstung und noch anderes wurde uns innerhalb einer Woche geschenkt! Die Dorfbevölkerung wollte ihre Dankbarkeit auf diese Art und Weise zeigen, denn sie merken selber, wie viel besser es ihnen geht, seit sie sauberer sind.

 

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Inzwischen hat das Team 10 Dörfer sensibilisiert, und es warten bereits 4 weitere auf Hilfe. Wenn man rechnet, dass zu einem Dorf ca. 1000 Menschen gehören, dann versorgt  das Team von Apersec inzwischen fast 14000 Menschen, d.h. eine Stadt in der Größe von Walldorf wird von 3 Hebammen und 2 Krankenpfleger/innen versorgt! Leider gibt es keine andere Hilfsorganisation, die eine derartige Arbeit macht, und es gibt noch sehr viel zu tun in vielen Dörfern. Aber diese Arbeit ist sehr anstrengend, besonders wenn in der Trockenzeit die Temperaturen auf über 40° steigen. In den Dörfern gibt es auf dem Marktplatz meistens nur einen Schatten spendenden Baum. Cathérine Eklou macht diese Arbeit ehrenamtlich, aber sie muss natürlich die Hebammen und den Krankenpfleger bezahlen, außerdem kostet der Liter Diesel inzwischen auch dort 1€, und diese großen alten Landcruiser verbrauchen mindestens 17 Liter pro 100km. Aber andere Wagen sind völlig ungeeignet, da sie auf den Pisten schnell zusammenbrechen würden. Außerdem müssen es ältere Wagen sein ohne komplizierte Elektronik, denn sonst kann der Chauffeur sie nicht selber reparieren.

Dieses Projekt wird immer finanzielle Unterstützung brauchen, denn der kleine finanzielle Beitrag, den die Dorfbewohner leisten können, reicht nicht aus, um die Kosten zu decken.


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